Irische Partnerstadt in Sicht
Langenfeld bemüht sich um Ennis im südlichen Westen der “grünen Insel”. Die 24 000-Einwohner-Stadt könnte die Partnerlücke im englischsprachigen Raum schließen. Irlands Botschaft in Berlin unterstützt die Brautwerbung.
Eines haben beide Städte schon mal gemeinsam: Ihre Lenker wissen, wie man trotz bescheidener Größe überregional Schlagzeilen produziert. Während es Langenfeld mit der Schuldenfreiheit in zahlreiche Gazetten schaffte, hat das irische Ennis jetzt mit der Verleihung einer Ehrenbürgerschaft reiche mediale Ernte eingefahren.
Denn der von laut “Irish Times” zehntausend Schaulustigen umjubelte erste und einzige “Honorary Freeman of Ennis” ist kein Leichterer als Boxlegende Muhammad Ali.
Ehrenbürger Muhammad Ali
Warum das in rund 1000 Kilometer Entfernung interessiert? Weil das im Westen Irlands etwa 35 Kilometer nordwestlich von Limerick gelegene 24 000-Einwohner-Städtchen Langenfelds fünfte Partnerstadt werden könnte.
Zwar ist bei der seit Jahren andauernden Suche nach einer englischsprachigen Partnerin noch nichts in trockenen Tüchern, doch will Bürgermeister Magnus Staehler im heimischen “Irland-Jahr” einen “ganzen Schritt” vorangekommen sein. Grund: Langenfelds Werben um die irische Braut wird von nicht unmaßgeblicher Stelle wohlwollend begleitet.
Bei einem Gespräch mit Irlands Boschafter im Frühjahr im Rathaus versicherte sich Staehler der guten Dienste aus Berlin. Und die sind nun offenbar geleistet. Botschaftssekretär Adrian Farrell habe ihm Ende August auf der “Schlemmermeile” von einer konkreten Anfrage zum Verpartnerungswunsch berichtet, teilte der Verwaltungschef jetzt mit.
Aber warum überhaupt Ennis? Den Anstoß zur Kontaktaufnahme mit der Jahrhunderte alten, am Fluss Fergus gelegen Marktstadt gab laut Angela Odenthal vom federführenden Rathaus-Referat 101 ein Kölner mit schottischen Wurzeln.
Der wusste um Langenfelds Brautsuche im englischen Sprachraum und schlug in einem Brief an die Verwaltung Ennis vor. Darauf bekundete Staehler gegenüber der Kreisstadt im County Clare sein grundsätzliches Interesse und schaltete zudem die irische Botschaft ein.
Nun wartet man im Rathaus auf eine vorentscheidende Antwort aus Ennis. Dort wurde im Juli der Gemeinderat neu gewählt – mit im Vergleich zu Langenfeld geradezu umstürzlerischen Ergebnissen. Deshalb sei etwas Geduld gefragt, bis sich Politik und Verwaltung in Ennis wieder sortiert hätten, heißt es in Referat 101.
Aber auch die irische Mentalität mahnt zur Weile, weiß Staehlers gewählter Nachfolger Frank Schneider. Der Reisefreund machte während einer vierwöchigen Rundtour in den 90er Jahren Bekanntschaft mit “easy going” auf gälisch: “Die Iren sind unglaublich gastfreundlich, aufgeschlossen und nehmen es mit der Pünktlichkeit nicht so genau”, erzählt der 46-Jährige, der sich nach eigenem Bekunden über eine Partnerstadt auf der “grünen Insel” sehr freuen würde.
Ebenso wie Nina Oberfranc. Die Mitarbeiterin von Citymanager Jan Christoph Zimmermann war erst kürzlich mit einer VHS-Gruppe auf Studienreise in Irland: “Für eine halbe Stunde haben wir auch in Ennis haltgemacht. Als ich auf einem Schild am Ortseingang las, dass sie wie wir beim internationalen Blumenschmuck-Wettbewerb ,Entente florale’ gewonnen haben, dachte ich gleich: Die Stadt müssen wir haben!” Das Zentrum mit seiner “netten Einkaufsstraße” wirke sehr freundlich und gepflegt, schwärmt Oberfranc.
Ennis hat adrette Straßen zu bieten, aber auch Sehenswürdigkeiten wie das ehemalige Kloster. Zudem ist die Stadt preiswürdig sauber. Unten links: BM Staehler und Co. (mit Stadtschreiber Brophy, 2.v.l.) im Irland-Fieber. Fotos: Stadt; rm-
Kevin Brophy, Langenfelds derzeitiger “Stadtschreiber” aus Irland, weist auf eine besondere Stärke der Umworbenen hin: “Ennis ist sowohl geschichtsträchtig als auch fortschrittlich”. Auf der einen Seite Sehenswürdigkeiten wie die mittelalterliche Klosterruine, auf der anderen Seite Mustergemeinde im Programm der irischen Telekom (Eircom) zum Ausbau der Kommunikationsinfrastruktur.
Ach ja: Und Ehrenheimat von Muhammad Ali! Warum? Weil dessen Urgroßvater Abe O’Grady laut “Irish Times” vor rund 140 Jahren von Ennis nach Kentucky auswanderte. Wer weiß, vielleicht verbindet die möglichen Partnerstädte über Umwege also doch schon mehr, als bislang angenommen. Schließlich stammt in dem US-Fried-Chicken-Staat jeder siebte Einwohner von Iren ab – und jeder sechste von Deutschen.